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Historie

Bei der gesicherten Altlast Münchehagen (SAD) handelt es sich im Wesentlichen um zwei Abschnitte, auf denen überwiegend Industrieabfälle abgelagert wurden. Bis in die 1960er Jahre wurde der Standort aufgrund seiner Ton- und Schluffsteinformationen im Untergrund für den Tonabbau und zur Ziegelherstellung genutzt. Die ausgebeuteten Tongruben blieben zunächst offen liegen. In diese Tongruben (25 Einzelpolder mit einer Tiefe bis zu 6 m) wurden in den Jahren 1968 – 1973 auf einer Fläche von 2,5 ha rund 56.000 m³ flüssige und pastöse Industrieabfälle durch die Firma Börstinghaus & Stenzel verkippt.

Bildrechte: Archiv GAA Hildesheim
Betrieb Altdeponie 1968 – 1973; Verkippung von Abfällen

Das Abfallinventar setzte sich aus ölhaltigen Abfällen, Säureteeren, Säureharzen, Gummiabfällen, Farben und Lacken, Galvanikschlämmen und Chemikalienrückständen zusammen. Diesen Abschnitt bezeichnet man als Altdeponie.

Da es zu dieser Zeit noch keine bundeseinheitlichen abfallrechtlichen Regelungen gab, konnte die Firma Börstinghaus & Stenzel diesbezüglich quasi ohne Vorgaben ihrem „Betrieb“ nachgehen.

Unmittelbar an den Abschnitt der Altdeponie angrenzend, wurden im Zeitraum von 1976 bis 1983 von der Nachfolgefirma Gesellschaft für Sonderabfallentsorgung Münchehagen GmbH & Co. KG (GSM) weitere 350.000 m³ feste bis stichfeste Industrieabfälle auf einer Fläche von rund 5,5 ha abgelagert.

Bildrechte: Archiv GAA Hildesheim
Abgedeckte Altdeponie und GSM-Deponie im Jahr 1998

Da die sogenannte GSM-Deponie nach Inkrafttreten des Abfallbeseitigungsgesetzes (AbfG) im Jahr 1972 in Betrieb genommen wurde, waren mit der Genehmigung spezielle Auflagen verbunden.

Die Ablagerung erfolgte in gezielt angelegten Tongruben (3 Einzelpolder mit einer Tiefe von 25 m; in den vorbereiteten Poldern IV und IVa erfolgte keine Ablagerung) gemäß einem Positivkatalog (zugelassene Abfälle) und unter Führung eines Einlagerungskatasters. Zudem wurden die Abfälle hinsichtlich ihrer chemischen Eigenschaften und Konsistenz getrennt abgelagert.

Bildrechte: Archiv GAA Hildesheim
Polder GSM-Deponie, Betrieb von 1976 - 1983

Zum Abfallinventar der GSM-Deponie zählten u.a. verunreinigte Böden, Lackschlämme, Teerrückstände, Gichtgasstaub und Flugaschen aus Müllverbrennungsanlagen.

Betriebszeitraum, Einlagerungsmenge und Konsistenz der Abfälle der Altdeponie/ GSM-Deponie

Deponieabschnitt

Betriebszeitraum

Einlagerungsmenge

Konsistenz

Altdeponie

1968 – 1973

ca. 56.000 m³

flüssig und pastös

GSM-Deponie

1976 – 1983

ca. 350.000 m³

fest bzw. stichfest

Die Einleitung von kontaminiertem Niederschlagswasser, welche 1972 und 1978 zu Fischsterben in der Ils führte, Brände auf der Altdeponie, Staubverwehungen, Geruchsbelästigungen, Grundwasserbeeinträchtigungen sowie Waldschäden durch die Verrieselung von Deponiesickerwasser (1974) sind Beispiele aus einer Reihe von schwerwiegenden Umweltgefährdungen, die während des laufenden Deponiebetriebs auftraten.

Dies führte unweigerlich dazu, dass das politische und vor allem das öffentliche Interesse an dem Standort immens stieg. In der Folge kam es zu Auseinandersetzungen zwischen dem Betreiber und einer aufgrund der Deponie gegründeten Bürgerinitiative.

Bildrechte: Archiv GAA Hildesheim
Brand während Betriebszeitraum Altdeponie 1968 – 1973

Als man vermutete, dass eine Vielzahl an Fässern mit dem sogenannten „Seveso-Dioxin“ abgelagert wurde, geriet der Standort bundesweit in die Schlagzeilen und es gab massive Proteste seitens der Bürgerinitiative. Eine geplante Erweiterung der Deponie (ein vierter Polder war bereits ausgehoben) wurde durch das Oberverwaltungsgericht Lüneburg untersagt. Letztendlich wurde die Deponie im Jahr 1983 geschlossen. Der Betreiber ging 1985 in Konkurs, gab sein Eigentum an den Grundstücken auf und die Deponie wurde zur Altlast.

Aufgrund der Zahlungsunfähigkeit des Verursachers ging die Zuständigkeit auf das Land Niedersachsen über, welches sich fortan in der Verpflichtung sah, eine langfristige Sicherung der Altlast zu garantieren.

In den folgenden Jahren wurde ein Konzept zur Sicherung der SAD erarbeitet, um Stoffausträge in das Grundwasser und die Luft rechtzeitig zu erkennen und zu unterbinden. Mit Beschluss der Niedersächsischen Landesregierung vom Juni 1997 sah das Sicherungskonzept

  • eine seitliche Umschließung des Ablagerungsbereiches,

  • das Aufbringen einer Oberflächenabdichtung und

  • die Einrichtung eines Überwachungssystems (Monitoring) vor.

Der Bau der Dichtwand zur seitlichen Umschließung der Altlast erfolgte im Jahr 1999. Die Bauausführung der Oberflächenabdichtung wurde in den Jahren 2000 und 2001 realisiert. Das Überwachungssystem (Monitoring) wird seit dem Jahr 1999 betrieben.

Gegenwärtig befindet sich die SAD in einem weitgehend stabilen Zustand, der zur dauerhaften Sicherung weiterhin überwacht werden muss.

Bildrechte: Marco Kruse
Gelände SAD im Jahr 2020
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